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Süchtig sein heißt, das suchterzeugende Mittel nicht mehr absetzen zu können, ohne psychische oder körperliche Entzugserscheinungen zu bekommen. Entzugserscheinungen können sein: Nervosität, Zittern, Schweißausbrüche, Gedankenfixation auf das Suchtmittel, Denkhemmung, Halluzinationen, Delirium, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Brechreiz, Kreislaufzusammenbruch etc.

Fakten

In der Reihenfolge der abhängig machenden Drogen stehen die gesellschaftlich "anerkannten" Suchtmittel ganz oben:

In den USA nehmen fast 50 % der Erwachsenen (nahezu) täglich ärztlich verordnete Medikamente zu sich. Ein großer Teil dieser Medikamente sind beruhigende oder anregende Psychopharmaka.

Die "verbotenen" Suchtmittel (wie etwa Haschisch, Marihuana, Opiate, Kokain, LSD, Crack, Designer-Drogen) stellen demgegenüber ein (zahlenmäßig) relativ kleines Problem dar: Die Zahl der polizeilich erfaßten Erstkonsumenten beträgt pro Jahr etwa 13.000.

Daß alle zugelassenen suchterzeugenden Mittel sowohl eine (körperliche und seelische) Abhängigkeit erzeugen, als auch bei längerem Gebrauch körperliche Schäden hervorrufen ist hinlänglich bekannt:

In Deutschland sterben pro Jahr mindestens 40.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmißbrauchs, etwa 90.000 an den Folgen des Nikotin"genusses".

Natürlich führen auch die nicht zugelassenen Rauschdrogen zu körperlichen Schäden: Kokainschnupfen kann zu Nasenscheidewandgeschwüren, Auszehrung, Herzversagen, Persönlichkeitsabbau führen; Opiate zu Atemlähmung, Blutdruckabfall bis zum Schock etc. Alle Süchtigen, die zur Injektion von Drogen (z. B. von Kokain oder Opiaten) unsaubere Injektionsmaterialien benützen (oder auch Injektionsbestecke, die schon von anderen benutzt wurden), können Spritzenabszesse, bakterielle Entzündungen der Herzklappen, Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder AIDS bekommen oder auch (wenn sie nicht dagegen geimpft sind) an einem Wundstarrkrampf sterben.

Die Zahl der Todesfälle durch diese nicht zugelassenen Rauschdrogen (hier überwiegend durch Heroin) liegt bei etwa 1.000 pro Jahr in Deutschland. Die überwiegende Todesursache ist hier die (bewußte oder unbewußte) Überdosis, die zweithäufigste Ursache sind die Infektionsfolgen: Drogenabhängige stellen einen Großteil der AIDS-Kranken und -Toten.

Die Zahl der Alkoholabhängigen in den USA ist in der Zeit der Prohibition (also des staatlichen Alkoholverbots) nicht gesunken, sondern eher noch gestiegen. In diese Zeit fiel dann auch die Ausbreitung des organisierten Verbrechens, das durch Alkoholschmuggel und -verkauf erst aufblühen konnte.

Die Zahl der von illegalen Drogen Abhängigen ist in den letzten Jahrzehnten nicht gesunken, sondern stetig gestiegen. Die Verbrechersyndikate haben sich auch hier in Europa allmählich immer mehr ausgebreitet.

Die soziale Verelendung der Alkoholabhängigen entwickelt sich durch die Vernachlässigung der sozialen Funktion und der stabilisierenden Umfeldkontakte. Die soziale Verelendung der Heroinabhängigen entwickelt sich ebenfalls durch die Vernachlässigung des Umfelds, aber auch durch die (wegen des hohen Drogenpreises notwendige) Beschaffungskriminalität. Der Heroinpreis ist hoch, weil die Droge kriminalisiert ist, nicht weil die Herstellung so teuer wäre.

Alkoholabhängige werden (solange sie einigermaßen angepaßt sind) geduldet, Abhängige von verbotenen Drogen werden ausgegrenzt. Alkoholmißbrauch gilt oft als strafmindernd bei unter Alkoholeinfluß ausgeführten Verbrechen, Heroinmißbrauch eher strafverschärfend.

Alkohol- und Nikotinverbrauch bedeuten Steuereinnahmen für den Staat (ca. 25 Milliarden DM pro Jahr!), Opiatverbrauch bringt dem Staat keine Mark.

Perspektiven

Die Drogenpolitik der Regierungen ist hilflos und erfolglos. Wirkliche Alternativen haben aber auch die Kritiker dieser Drogenpolitik nicht zu bieten. Die Einrichtung von Fixerstuben, Abgabestellen von sterilen Spritzenbestecken, Methadonsubstitutionsprogrammen und anonymen Drogenberatungsstellen wird die Infektionshäufigkeit und vielleicht auch die Drogenkriminalität vermindern, sie wird aber die Abhängigkeit nicht beseitigen.

Es wäre auch falsch, den "Staat" für die Drogenabhängigkeit allein verantwortlich zu machen: Mindestens den gleichen Anteil haben die Eltern, die Geschwister, die Freunde, die Lehrer der Betroffenen.

Politiker können die Drogenpolitik aber wenigstens so gestalten helfen, daß den Abhängigen nicht durch die staatliche Repression mehr geschadet wird als durch die Drogenabhängigkeit:

Dr. Friedrich Höglmeier Zurück zur Übersicht
sucht.zip ©Dr. F. Höglmeier